Englisch ab der vierten Klasse
Frischen Wind in manche Klassenzimmer wird vor allem die Einführung von Englisch in der Grundschule bringen. Von einigen Schulen bereits erprobt, wird die Fremdsprache ab Montag in allen vierten Klassen des Landes zwei Stunden wöchentlich unterrichtet.
„Die Wirtschaft und auch wissenschaftliche Studien bestätigen uns, dass Englisch heute von großer Bedeutung ist“, unterstrich Bildungslandesrat Otto Saurer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Bozen die Wichtigkeit des Englischunterrichts. „Es ist außerdem erwiesen, dass Sprachen im Kindesalter wesentlich leichter aufgenommen werden“, so der Landesrat.
Seit drei Jahren schon habe man sich auf die Einführung des Englischunterrichts vorbereitet. Gelehrt wird die Sprache von Klassenlehrpersonen, die in Lehrgängen dafür ausgebildet wurden und werden. „Ein Lehrgang wurde bereits abgeschlossen, ein zweiter läuft gerade und ein dritter wird noch in diesem Jahr beginnen“, so Saurer.
Sprachenzentren für Migrantenkinder
„„Wir haben den Sommer über auf Hochtouren gearbeitet, um zeitgemäß mit den Sprachenzentren starten zu können“, berichtete Rudolf Meraner, Direktor des Pädagogischen Instituts, bei der Pressekonferenz des Schulamtes. Die neuen Sprachzentren sind auf Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgerichtet. 1655 Migrantenkinder in den deutschen Volksschulen und 711 in den Kindergärten seien eine Herausforderung, die gemeistert werden müsse, so Saurer. Diese Kinder müssten in die Südtiroler Gesellschaft und das Bildungssystem eingegliedert werden.
„Seit erstem September sind die Sprachzentren in Betrieb“, erklärte Saurer. Neben einem zentralen Kompetenzzentrum gibt es sieben Zentren in den Bezirken des Landes, davon eines für die ladinischen Täler. „Zentrale Aufgabe der Sprachenzentren ist die Beratung von Eltern und Schulen“, erklärte Meraner. Die Zentren seien vor allem auch dafür da, Sprachenangebote zu koordinieren, Jugendliche auch im außerschulischen Bereich zu integrieren und bei Bedarf Intensivsprachkurse anzubieten.
Aktualisiertes Sprachkonzept
Ein Sprachenkonzept für die deutschsprachigen Kindergärten und Schulen soll die Neuerung in Sachen Spracherwerb untermauern: Das Schulamt hat das Konzept, das bereits vor drei Jahre erarbeitet wurde, aktualisiert und verteilt es nun an Kindergärten und Schulen.
Im Sprachenkonzept sind die pädagogisch-linguistischen Leitlinien zum Erwerb der Muttersprache und der Zweitsprache sowie zum Erwerb von weiteren Sprachen enthalten. Teil des Konzeptes ist auch die Einführung des Englischunterrichts, sowie des Italienischunterrichts in der ersten Klasse, welche bereits durchgeführt wurde.
Gegen die Unterstellung, die deutsche Schule in Südtirol hinke im Sprachenerwerb nach, wehrte sich Saurer: „Wenn wir sehen, was wir in den letzten Jahren geschafft haben, kann ich das nicht gelten lassen“. Auch die Diskussion um einen zweisprachigen Unterricht sei hinfällig: „Die italienische Schule erprobt dies zwar in einem Pilotprojekt, jedoch steht das im Widerspruch zum Autonomiestatut“. Darin sei das Prinzip festgeschrieben, dass jeder Südtiroler das Recht auf Bildung und Erziehung in seiner eigenen Muttersprache hat.
Drei Jahre Schulreform
Nach drei Jahren Schulreform zeigte sich Saurer zufrieden: „Wir haben die staatliche Reform nicht komplett übernommen, sondern orientieren uns an der europäischen Schulentwicklung. Nach drei Jahren der Erprobung gehen die Neuerungen nun aber in die Schulorganisation ein“.
Zentrale Punkte seien hier vor allem die individuelle Lernberatung von Schülern sowie die Gliederung der Unterrichteszeit in einen Pflichtunterricht mit Wahlmöglichkeiten und fakultativen Wahlangeboten. Auch eine geeignete Dokumentation der Lernentwicklung ist nun fixer Bestandteil der Schulpraxis.
Erste Bildungsmesse „Futurum“
Um Schülern und Erwachsenen alle Lernangebote auf einen Blick zu präsentieren, lädt heuer erstmals die Bildungsmesse „Futurum“ alle drei Sprachgruppen zur Messe Bozen. Vom 22. bis 25. November findet die Bildungsmesse statt. Sie soll vor allem einen Überblick über die Bildungseinrichtungen und –angebote in allen Schulstufen geben.